Extreme Kursschwankungen beim Bitcoin zwischen den Börsen

Warum so extreme Kursschwankungen beim Bitcoin?

Kursschwankungen sind die meisten, die sich mit Kryptowährungen befassen, gewohnt. Auch dass sich der Kurs innerhalb eines Tages im zweistelligen Prozentbereich ändert, ist keine Seltenheit. Doch warum gibt es diese extreme  Kurschwankungen beim Bitcoin nicht nur innerhalb des Kurses, sondern auch zwischen verschiedenen Börsen?

Die Antwort lässt sich auf einen einzelnen Satz zuspitzen: Der Bitcoin-Kurs ist nirgends festgeschrieben. Seinen Wert wiederum erhält er aus Angebot und Nachfrage.

Denn der Preis für einen Bitcoin setzt sich immer daraus zusammen, wieviel ein Verkäufer dafür verlangt und wieviel ein Käufer bereit ist, dafür zu zahlen. Die Börsen nehmen dann eine vermittelnde Rolle ein und sorgen so für eine Einigung zwischen den Parteien. Je nachdem, bei welcher Börse man gerade handelt, setzt sich diese Differenz (abzüglich aufkommender Kosten) unterschiedlich zusammen.

Zum Aspekt von Angebot und Nachfrage gesellen sich geopolitische Faktoren. Je nachdem, wo die jeweilige Börse ihren Sitz hat, kann es sein, dass der Preis aufgrund regulatorischer Hürden wie Steuern oder auch durch die wirtschaftliche Lage beeinflusst ist. Welche Ausmaße das annehmen kann, zeigt das Land Simbabwe, als unser Beispiel für die Kursschwankungen beim Bitcoin.

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Der Fall Simbabwe – Extrembeispiel für Kursschwankungen

In Simbabwe unterscheidet sich der Bitcoin-Preis extrem vom gängigen Marktpreis. So notiert er zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bei 17.379 US-Dollar. Der durchschnittliche Kurs der bei Coinmarketcap gelisteten Börsen liegt zum Vergleich bei 11.380 US-Dollar – ein Unterschied von knapp 6.000 US-Dollar. Um diesen dann doch signifikanten Unterschied zu erklären, muss ein Blick auf die ökonomische und politische Lage geworfen werden.

Als der autokratische Präsident Mugabe durch das Militär abgelöst worden ist, war das Land bereits im finanziellen Ruin. Der Simbabwe-Dollar wurde nach einer Inflation von bis zu 230 Millionen % komplett abgeschafft. An seine Stelle trat fortan unter anderem der US-Dollar. Aufgrund mangelnder Exportwirtschaft gab es davon jedoch nicht genügend, physische Geldscheine sind nach wie vor Mangelware.

Aber selbst der US-Dollar ist hier nicht so viel wert, wie er eigentlich wert sein sollte. So hat man im Januar 2017 für 100 US-Dollar physisches Geld 120 elektronische US-Dollar gezahlt. Im November waren es dann schon 180.

Hinzu kommt, dass die Banken den US-Dollar nicht selbstständig drucken können, da es sich um eine Fremdwährung handelt. Die Folge ist, dass an Geldautomaten kaum Geld ausgezahlt werden kann, Überweisungen ins Ausland sind so gut wie unmöglich – selbst die Regierung hat Probleme, Geld ins Ausland zu überweisen.

Fehlendes Vertrauen in Banken

Außerdem gibt es viele Menschen, die im Ausland arbeiten und ihre Familien in Simbabwe unterstützen wollen. Das Problem: Die Banken verschlingen einen Großteil der gesendeten Geldmengen. Es fehlt also an Vertrauen in die Institutionen, Fremdwährungen verlieren in Simbabwe schnell an Wert.

So war der Ruf nach Alternativwährungen groß. Trotz der immer wieder bemangelten Volatilität der Kryptowährungen schien der Bitcoin hier sicherer als die genannten Optionen. So haben viele ihr vorhandenes Vermögen in Bitcoin investiert, um es vor Wertverfall zu schützen- darum auch die extremen Kursschwankungen beim Bitcoin.

Damit fällt es zum einen nicht der Inflation und den Banken zum Opfer, zum anderen können die Menschen damit internationale Zahlungen tätigen.

Die zahlreichen Möglichkeiten also, die den Bitcoin von herkömmlichen Zahlungsverfahren im Land abheben, machen ihn attraktiver. Durch seinen Nutzen und seine Funktion als Wertspeicher hat er letztlich einen Mehrwert. Die Menschen haben somit mehr Vertrauen in die Kryptowährung als in alle anderen Alternativen.

Dadurch können Verkäufer mehr dafür verlangen und die Käufer sind auch bereit, mehr dafür zu bezahlen – vor allem wenn sie dadurch unsichere Vermögenswerte aus alten Beständen loswerden.

Arbitrage in Simbabwe? Lieber nicht

Bei einem Preisunterschied von 6.000 US-Dollar pro Bitcoin spitzen Trader vermutlich die Ohren – warum nicht einfach Bitcoin nach Simbabwe transferieren und dort Gewinn machen?

Die Antwort ist im Prinzip schon beschrieben worden: Das Geld würde das Land vermutlich nicht mehr verlassen. Denn um sich bei der afrikanischen Börse Golix zu registrieren, braucht man einen ortsansässigen Bank-Account. Da sämtliches Fiatgeld wieder über die zentralen Banken fließt, verliert es entweder an Wert oder geht auf dem Weg verloren.

Aus demselben Grund würde es die Menschen in Simbabe auch nicht auf externen Börsen einkaufen. Das Geld kann kaum die Grenzen passieren, schlichtweg weil es einfach nicht vorhanden ist. Der Bitcoin hat als Zahlungsmittel und Wertspeicher in Simbabwe also mehr Wert, als sein Dollar-Preis daraus resultieren die extremen Kursschwankungen beim Bitcoin.

Im Prinzip erhält der Bitcoin in Simbabwe seinen Wert durch seine Anwendbarkeit. In seinem ursprünglich intendierten Sinn als dezentrales Zahlungsmittel und Währungsalternative ist er also sogar mehr als seinen Preis wert.

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